Dienstag, 21. Juni 2016

Tag 2: Zwischen Kooperation und Konkurrenz

In Potsdam haben einst drei Männer die Welt aufgeteilt. Noch heute wird darüber verhandelt, wie man über diese «neuen» Grenzen hinweg kooperieren will, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Josef Wissarionowitsch Dschugaschili, genannt Stalin, trägt eine helle Uniform mit der Auszeichnung «Held der Sowjetunion» und Winston Leonard Spencer Churchill ein Kriegskleid aus der Schlacht von Omdurbman von 1898. Harry Spencer Truman erscheint in einem blassen Schlips. Er soll den Vorsitz der Konferenz übernehmen. Truman lässt sich nicht zweimal bitten. Gerade wurde ihm der Erfolg der «Operation» in der Wüste Mexikos beschieden. Möglicherweise eine willkommene Abkürzung der Geschichte.

Am 17. Juli 1945 wird im Potsdamer Cecilienhof über die Frage verhandelt, die die Menschen seit je umtreibt: Wie arbeiten Individuen aus verschiedenen geographischen Räumen zusammen und wo liegen die Grenzen oder sollen die Grenzen zu liegen kommen? Obwohl 2016 Krieg und Trennung überwunden sind, wird auch heute darüber verhandelt, wie die regionale Zusammenarbeit ausgestaltet werden soll.

26 Jahre nach dem Mauerfall befindet sich Potsdam in einem wirtschaftlichen Spannungsfeld. Ein ökonomischer Konkurrenzkampf, ein Wettbewerb zwischen Städten, Regionen, Ländern und Kontinenten, ein Kampf zwischen Geschäften, Unternehmen und Konzernen. Und doch ist Kooperation, Zusammenarbeit nötig, um erfolgreich zu sein. Aktuelle wirtschaftsgeographische Erkenntnisse wie die Clustertheorie legen das nahe, Unternehmerinnen und Unternehmer haben es erkannt.

Eine Studierenden-Gruppe des Geographischen Instituts hat dem heutigen Potsdam einen Besuch abgestattet. Zwei Geographen der Zukunftsagentur Berlin-Brandenburg zeigten auf, wie in ihrem Bundesland die Wirtschaftsförderung funktioniert. Und ein Potsdamer Stadtplaner machte deutlich, was es bedeutet, zwischen widerstrebenden privaten und öffentlichen Interessen eine wachsende Stadt der Grösse Berns zu planen. Dargelegt nun drei zentrale Erkenntnisse, die wir dabei gewonnen haben. Immer unter der vorgegebenen Perspektive «Interregionalen Kooperation».

Führung durch Potsdam
  • Potsdam im Spannungsfeld zwischen Peripherie und Zentrum:
Aus Sicht der Berliner ist Potsdam mit seinen gut 160’000 Einwohnerinnen und Einwohnern Peripherie. Gleichzeitig ist es die Landeshauptstadt Brandenburgs und nimmt wichtige Zentrumsfunktionen war. Ohne die ländlichen Gebiete zu vernachlässigen, versucht Potsdam an der zukunftsorientierten und erfolgsversprechenden Wirtschaftsstruktur Berlins anzuknüpfen.
  •   Mehr als Cluster
In diesem Spannungsfeld steht die Brandenburger Wirtschaftsförderung ZAB. Mit der Einführung eines Clusterverständnisses vernetzen sie die ansässige Wirtschaft intra- und interregional sowie intra- und international.  Dabei versuchen sie auf mehr Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren aus Wissenschaft und Ökonomie hinzuwirken. Wissenstransfer, Triple Helix und Cross-Cluster sind die Schlagwörter.
  • Die «arroganten Berliner» und «bescheidenen Brandenburger»
Auch Berlin betreibt aktive Wirtschaftsförderung. Sie arbeiten eng mit der brandenburgischen  ZAB zusammen. Durch die geographische Nähe decken sich die Interessen und Aufgaben der Förderer häufig. Redundanzen und Doppelspurigkeiten entstehen, welche die notwendige, interregionale Kooperation über die administrative Grenze hinweg erschweren. Die Frage liegt auf der Hand, weshalb die Berliner Insel nicht mit dem Brandenburger Ländle fusioniert. Eine dahingehende Volksabstimmung wurde 1996 bachab geschickt. Lokale Gesprächspartner schreiben neuen Begehren kaum Chancen zu. Berlin würde mit dem Brandenburger «Speckgürtel» an globale Metropolen anknüpfen, sagen sie. Die ländliche Brandenburger Bevölkerung befürchte dann, von einem neuen Riesenzentrum vernachlässigt zu werden. Mit «Brandenburgischer Bescheidenheit» und «Berliner Arroganz» treffen hier Klischees aufeinander, die gerne weitertransportiert, -reproduziert und manchmal auch politisch befeuert werden.

Zum Thema Kooperation haben wir die Gesprächspartner interviewt: https://youtu.be/9eN3UreRT7s

Michael Scheurer, Manuel Brunner 

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